Aurovilianer werden

Wie werde ich Aurovilianer?

Wer Aurovilianer werden will, sollte von der grundlegenden Einheit der Menschheit überzeugt sein und an der materiellen Verwirklichung dieser Einheit mitarbeiten wollen.

Ein längerer Aufenthalt in Auroville vor Beginn des formellen Aufnahmeverfahrens (mindestens drei Monate) ist verpflichtend. Die dort verbrachte Zeit dient einem schrittweisen Lern- und Integrationsprozess und einer inneren Überprüfung der getroffenen Lebensentscheidung in dem lebendigen und dynamischen Umfeld Aurovilles, das sich in einem ständigen Entwicklungsprozess befindet und von der Verwirklichung der Ideale in vielen Bereichen noch ein gutes Stück entfernt ist.

Grundlegende Hinweise

Auroville ist weder eine religiöse noch eine politische Organisation und darf nicht als Basis für entsprechende Aktivitäten genutzt werden. Die Aufnahme einer regelmäßigen Arbeit im Dienste der Gemeinschaft wird von jedem, auch von älteren Menschen, erwartet (etwa 5 bis 6 Stunden kollektive Arbeit täglich). Auroville sollte daher nicht als pflichtenfreier "Altersruhesitz" missverstanden werden. Die Gemeinschaft verfügt aktuell noch nicht über die erforderlichen Strukturen und Einrichtungen, um chronisch Kranken, Pflegebedürftigen, Invaliden oder geistig behinderten Menschen auf Dauer eine adäquate Versorgung zu bieten.

Verfahren

Wer sich nach einem mindestens dreimonatigen Aufenthalt entscheidet, Aurovilianer zu werden, muss – mindestens einen Monat vor Abreise – beim Entry Service einen formellen Aufnahmeantrag stellen. Wenn dieser akzeptiert wird, stellt die Gemeinschaft ein Empfehlungsschreiben ("recommendation letter") zur Beantragung des entsprechenden Visas in Deutschland aus (die Umschreibung eines Touristenvisums in einen Daueraufenthalt vor Ort ist nicht möglich). Das Entry-Visa sollte idealerweise erst kurz vor Abreise beantragt werden, da es schon ab dem Tag der Ausstellung (nicht erst ab Einreise nach Indien) gilt. (Anschriften der Visastellen in Deutschland) In der folgenden einjährigen "Probezeit" wird erwartet, dass sich der sog. Newcomer durch Arbeit und andere Arten der Beteiligung in die Gemeinschaft integriert. Nach Abschluss des Jahres konsultiert der Entry Service die aurovilianische Kontaktperson, die jedem Newcomer zur Seite steht und die Gemeinschaft entscheidet über die dauerhafte Aufnahme. Wenn erforderlich, kann die Newcomerzeit verlängert werden.

Lebenshaltungskosten

Als Gast und während der Newcomer-Zeit muss man mit mindestens 10 000,- Rs. monatlich für Unterkunft und Verpflegung rechnen. In dieser Summe ist ein Beitrag zu den allgemeinen Kosten der Gemeinschaft enthalten, der monatlich 1200,- Rs. beträgt und auch von Aurovilianern zu leisten ist. Zu Beginn der Newcomer-Periode sind eine "Newcomer contribution" in Höhe von 8000,- Rs. sowie eine Art "Rückreise-Versicherung" in Höhe von 1000,- Rs. an die Gemeinschaft zu zahlen. Nach Abschluss der Newcomer-Zeit erhalten Aurovilianer bei Mitarbeit in einer der Arbeitsgruppen (working units) eine kleine „Maintenance“. Damit lassen sich allerdings nur die elementarsten Bedürfnisse decken. Es bleibt dem Einzelnen überlassen, dieses Basiseinkommen durch eigene Ersparnisse, durch eine regelmäßige kleine Zuwendung von außen oder durch eigene Initiativen zu erweitern.

Unterkunft

In Auroville herrscht immer noch großer Mangel an Unterkünften. Newcomer, insbesondere Familien, müssen damit rechnen, im ersten Jahr nur eine vorübergehende Unterkunft, in der Regel in Gästehäusern, bei befreundeten Aurovilianern oder in Newcomer-Wohnungen zu finden. Auch nach Ablauf der Newcomerzeit kann die Gemeinschaft nicht allen eine dauerhafte Unterkunft zur Verfügung stellen. Die meisten Newcomer sehen sich deshalb nach dem ersten Jahr mit der Situation konfrontiert, selbst eine Unterkunft finanzieren und gegebenenfalls das zeit- und energieaufwendige Bauvorhaben auch selbst beaufsichtigen zu müssen. Was Land und Gebäude betrifft, gibt es – entsprechend der Charta – in Auroville kein Privateigentum. Häuser gehören nicht ihren Erbauern bzw. Bewohnern, sondern sind Eigentum der Auroville Foundation. Ein Aurovilianer hat jedoch das Recht, das von ihm gebaute Haus zu bewohnen, solange er Mitglied der Gemeinschaft ist. Derzeit konzentriert sich Auroville auf die Entwicklung kollektiver Bauprojekte, in deren Rahmen man ein Apartment finanzieren bzw. bauen kann. Diese Alternative empfiehlt sich heute nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus sozialen und ökologischen Gründen.

Schulen

Wer als Newcomer mit schulpflichtigen Kindern nach Auroville kommt, sollte sich möglichst frühzeitig eine Schule für seine Kinder aussuchen und sich erkundigen, ob dort Plätze frei sind. Das Schuljahr beginnt im Juli. Bedacht werden sollte auch, dass die Sprache in den Schulen Englisch ist. Um den Übergang zu erleichtern, sollten die Kinder zumindest einige Grundkenntnisse in Englisch besitzen.

Ausführlichere Informationen zum Aufnahmeprozess und zu den Voraussetzungen gibt es hier.

 

 

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